02.04.12
Bela B. ist Szene-Mutti
Halbzeit für „King Ping – Himmel, Tal und Treppentod“
Im Novotel, Otto-Hausmann-Ring, berichten Regisseure und Schauspieler am 18. Drehtag über den Stand des skurrilen Wupper-Krimis. Eine „Grande Dame“ macht dabei besonders von sich reden.

„Wir hatten jeden Tag viel Freude“, verkündete Regisseur Claude Giffel trotz der nicht immer einfachen Umstände. Alle finanziellen Mittel für die Produktion stammen ausschließlich aus privater Finanzierung. Gedreht wird nun mit einem Etat von 250.000 Euro, einem Fünftel des ursprünglich geplanten Budgets. „Das Team und die Crew arbeiten für ein Praktikantengehalt“, stellt Produzent Christoph Schmidt dann auch klar, also für eine Aufwandsentschädigung plus anschließender Gewinnbeteiligung. Das tut der guten Laune am Set allerdings keinen Abbruch.

Hauptdarsteller Sierk Radzei ist dabei besonders gefragt: Es vergeht kein Drehtag, an dem der „King Ping“ nicht am Set ist. Beeindruckt habe ihn der Dreh in der Pathologie, erzählt er munter. Ein Ort, den man nicht alle Tage betrete, ein unvergessliches Geruchserlebnis inklusive. „In der Pathologie wird ein Duftstoff verbreitet, damit es nicht riecht.“ Gerochen hat es nach Drehschluss trotzdem – und zwar duftete seine Kleidung nach eben diesem „Parfum“.

Sierk Radzei spielt den King und Jana Voosen Dr. Nicole Werner.

Dirk Michael Häger, Produzent und Drehbuchautor, erläuterte derweil seine künstlerische Vision. Die Idee, in Wuppertal einen Film zu drehen, habe er bereits vor einigen Jahren gehabt. Die kontrastreiche Kulisse eigne sich hervorragend für einen Krimi. „Ich wollte irgendwas mit Treppen machen.“ Schnell war dann die Idee vom Treppenmörder geboren. Klar war aber auch, dass es keine Tatort-Kopie werden sollte.

Aber nicht nur Treppen werden im Wupper-Krimi zu sehen sein. Gedreht wurde unter anderem im U-Club und im Mirker Bahnhof. Während „King-Ping“ Sierk Radzei zunächst noch mit Wuppertal fremdelte, „wer hier wohnt, könne nur depressiv werden“, lobt Dirk Michael Häger: „Diese Stadt hat ein unglaublich gutes Profil.“

Entstanden ist ein Ermittlungskomplott mit skurrilen Inhalten. Vorbild für die überspitzte Kriminalgeschichte seien Filme aus dem englischen und skandinavischen Raum. Drehbuchautor Dirk Michael Häger betitelte das Genre kurzerhand mit Crime-Comic. „Ich habe manchmal bizarre Ideen, die hoffentlich auch im Film bizarr wirken“, sagt er.

Hans-Martin Stier in seiner Rolle als Wölfken.

Der „schön-schräge Film“ (Häger) ist gut durchdacht und brillant bis in die kleinste Nebenrolle besetzt. Wuppertaler und „Stromberg“-Urgestein Christoph Maria Herbst brilliert in einer kleinen aber feinen Rolle, die Rolle der Doba verkörpert Ann-Kathrin Kramer, Dr. Nicole Werner mimt Jana Voosen. Der Soundtrack des Films sorgt für Authentizität, fast alle mitspielenden Bands haben Wuppertaler Lokalkolorit.

 „Biggi“, hochkarätig mit Bela B. besetzt, mimt die Gastgeberin für die schrulligen Musiker. Als dann eine große Dame mit schwarzem Bubi-Kopf und Plateau Pumps durch die Lobby des Novotels zum Fototermin stöckelt, wird schlagartig klar, was Regisseur Dirk Michael Häger gemeint hat, als er sagte: „Bela B. ist die Szene-Mutti.“

Der Film kommt im Februar 2013 in die Kinos.

Text + Fotos: Anke-Elisabeth Schoen