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23.02.12
Startbahn NRW
Reiselustige haben die Wahl:
NRW ist reich an Flughäfen und Flügen mit preisgünstigen Tickets. Immer mehr Billigflieger und der Ehrgeiz vieler Lokalpolitiker, für ihre Stadt und Region einen eigenen Fughafen vorweisen zu können, haben die Konkurrenz zwischen den Airports erhöht.

 

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Die Fluggäste profitieren davon, der Steuerzahler gleicht die Defizite aus – gerade bei den Regionalflughäfen. Ihnen macht die Luftverkehrssteuer am meisten zu schaffen. HEINZ besuchte sechs Flughäfen.

 

Schon früh ab 5.50 Uhr dröhnen am Flughafen Düsseldorf International die Triebwerke. Der erste Flug geht nach Teneriffa-Süd, Non Stop. Die Starts und Landungen folgen jetzt minütlich. Über 600 Flugbewegungen finden im Durchschnitt an einem Tag statt. Und das 365-mal im Jahr. 20 Millionen Fluggäste heben jährlich, rein rechnerisch also mehr als jeder Nordrhein-Westfale, vom größten Flugplatz des Bundeslandes ab. Abends landet der letzte Flieger in der Regel um 23 Uhr, in Ausnahmefällen bis 24 Uhr. Anschließend kehrt Ruhe am Himmel ein: Es gilt das Nachtflugverbot, die lärmgeplagte Nachbarschaft atmet auf.

 

Kein Bundesland ist so opulent mit Flughäfen versorgt wie NRW. Rund 18 Prozent des gesamtdeutschen Flugpassagieraufkommens wurde 2011 von den sechs NRW-Flughäfen bewältigt. Die meisten Auslandsreisenden flogen nach Spanien. An zweiter Stelle folgte die Türkei, dann das Vereinigte Königreich, Italien und Österreich. Wenn auch die Zahl der Auslandsflüge in NRW insgesamt wuchs, verzeichneten die vor allem auf Billigflieger setzenden Airports Köln/Bonn, Paderborn/Lippstadt und Weeze ein Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Den Schwarzen Peter geben die Betreiber der Luftverkehrsabgabe, die 2011 in Deutschland eingeführt wurde und manchem Schnapper-Flug das Preisargument zunichte machte. Bei Langstreckenflügen schlägt die Öko-Abgabe mit 90 € zu Buche, um die das Ticket teurer wird, bis 6.000 km steigt der Preis für Hin- und Rückflug um 50 €, bis 2.500 km um 16 €.

 

Ein teurer Spaß ist für die Dortmunder ihr schicker Flughafen am Rande der Stadt. Ein Defizit von 19,8 Millionen wurde aktuell von der Betreibergesellschaft (74?% Dortmunder Stadtwerke, 26?% Stadt Dortmund) vermeldet. Der Airport räumt sogar sein repräsentatives Verwaltungsgebäude, um weitere Büroflächen lukrativ vermieten zu können und die Dauermiesen ein wenig zu senken.

 

Der Flughafen Köln/Bonn „Konrad Adenauer“ ist einer der wenigen deutschen Flughäfen ohne Nachtflugverbot. Städte im Einzugsgebiet des Airports klagen gegen die Erlaubnis, darunter auch Siegburg, das gleichzeitig zu 6,06?% am Köln-Bonner Airport beteiligt ist. Köln/Bonn ist eine wichtige Basis für Billigfluggesellschaften wie Germanwings. Mit beinahe 10 Millionen Fluggästen ist „Konrad Adenauer“ der zweitgrößte Flughafen in NRW und der sechstgrößte in Deutschland.

 

Der westfälische Norden wartet mit vier kleineren Airports in Weeze, Paderborn, Dortmund und Münster auf, von denen Ziele innerhalb Deutschlands, Europas, vorzugsweise Osteuropa, Nordafrika, oder der Türkei angeflogen werden. Alle Flughäfen schlagen preislich gewaltig bei den Parkgebühren zu. Alle? Nein der Airport Paderborn-Lippstadt kann sogar kostenlose Parkplätze anbieten. http://www.parkplatzvergleich.de

 

Das Unternehmen Airport war nie lukrativ. Ohne Landesmittel hätten gerade die kleinen Flughäfen noch größere finanzielle Probleme. Auch den Fluggesellschaften bleiben nach Abzug sämtlicher Kosten nur zwei bis drei Euro pro Ticket. Je größer die Maschine, umso mehr bleibt unterm Strich übrig. Große Flugzeuge brauchen lange Start- und Landebahnen, und die finden sich nur an großen Flughäfen.

 

Je größer der Flughafen, umso mehr steht er derzeit unter Beschuss durch Fluglärmgegner. Seit Februar hat die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) Aktionstage in Frankfurt, Berlin und München ausgerufen. Mitte März sind in Düsseldorf Demonstrationen und Kundgebungen geplant. Auch in Köln und Dortmund formiert sich wachsender Widerstand auf Seiten der Anwohner: Vor allem nachts soll nicht (mehr) geflogen werden. Die deutsche Luftverkehrswirtschaft lehnt die von der nordrheinwestfälischen Landesregierung geplante Einführung eines Nachtflugverbots für Passagierflüge am Flughafen Köln/Bonn entschieden ab. Die durch ein Nachtflugverbot zu erwartenden negativen ökonomischen Auswirkungen für den Luftverkehrs- und Wirtschaftsstandort Köln/Bonn stünden in keinem Verhältnis zu dem Nutzen für die Flughafenanwohner, die durch ein nächtliches Verbot von Passagierflügen nur sehr begrenzt von Fluglärm entlastet würden. Das teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. (BDL) am 24. Oktober 2011 in einer Stellungnahme zur geplanten Neuregelung der Nachtflugbeschränkungen am Flughafen Köln/Bonn mit.

 

Auch so mancher Fluggast möchte weiterhin nachts fliegen. „Für mich und meinen Freund zählt jeder Urlaubstag“, so Dani T. „Im Flieger können wir schlafen und kommen früh am Urlaubsort an. Dann haben wir noch was von dem Tag.“

 

Und da haben wir den Interessenkonflikt zwischen den Menschen, die von einem heimatnahen Flughafen verreisen wollen, den Anwohnern, die in Ruhe leben möchten und von Flughafenbetreibern und Fluggesellschaften, die rentierlich ihr Geschäft betreiben wollen.

 

Beim Flughafen-Vergleich auf den folgenden Seiten stellt HEINZ alle relevanten Daten und Fakten gegenüber.

 

 

Flughafen Düsseldorf International

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Der Flughafen Düsseldorf ist der drittgrößte deutsche Flughafen und das wichtigste internationale Drehkreuz des Landes Nordrhein-Westfalen: 2011 wurden erstmals über 20 Millionen Passagiere befördert. Zu den neu hinzugekommenen Zielen zählen Curaçao und Abu Dhabi.

Der Airport wurde 1927 eröffnet und befindet sich im Norden der Landeshauptstadt nördlich der Bundesautobahn 44. Mit einem Umsatz von rund 400 Millionen Euro und einem Ergebnis von 57 Millionen Euro zählte er im Geschäftsjahr 2010 zu den sechs profitabel wirtschaftenden Flughäfen Deutschlands. Gesellschafter sind je zur Hälfte die Stadt Düsseldorf und die Airport Partners GmbH. 60% dieser Partnergesellschaft hält der Baukonzern Hochtief. Nach der feindlichen Übernahme durch ACS wird versucht, die Flughafen-Anteile zu verkaufen.

2005 scheiterten Anwohnerklagen gegen die Betriebsgenehmigung zusätzlicher Landungen zwischen 22 und 23 Uhr. Die Initiative „Bürger gegen Fluglärm“ klagt nun erneut, die Genehmigung sei unter Angabe falscher Tatsachen erteilt worden. Am Airport darf qua Einzelfallgenehmigung bis 23.30 Uhr gelandet werden. Für Linien, die auf dem Düsseldorfer Flughafen beheimatet sind, gilt die generelle Ausnahmeregelung bis Mitternacht. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Landungen nach 23 Uhr laut dem Unternehmen um rund 40% gesunken, mehr noch die Zahl der nach 22 Uhr mit einer Ausnahmegenehmigung gestarteten Flüge. Die 4.600 Mitglieder der Initiative wollen jedoch vor dem Europäischen Gerichtshof eine ausnahmslose Durchsetzung der Nachtruhe von 23-6 Uhr erreichen. Auch die Berechnung von Lärmschutzzonen wird gerichtlich angefochten. Für Mitte März hat die Bundesvereinigung der Fluglärmgegner einen Aktionstag in Düsseldorf angekündigt.

Am 3. und 4. März steht der Airport ganz im Zeichen von Fernweh. Jeweils von 11-18 Uhr präsentieren Reiseveranstalter und Fluggesellschaften ihre Destinationen und Programme von der Flugreise bis zur Kreuzfahrt. Die Check-In-Halle wird zum bunten Marktplatz mit Messeständen, Bühnen und Unterhaltung. Daneben lassen über 60 Shops und Restaurants keine Wünsche offen und haben wie jeden Sonntag auch diesen geöffnet. Für den nötigen Strom sorgt eine neue Photovoltaik-Anlage – die größte im Sicherheitsbereich eines deutschen Verkehrsflughafens mit einer Leistung von 2 Millionen Kilowattstunden bei gleichzeitiger Vermeidung von fast 1.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

 

Fluggäste 2011

20.340.000

Tägliche Starts und Landungen

607

Nonstop-Destinationen

197

Parkplätze

20.000

 

 

Köln Bonn Airport

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Der Flughafen Köln/Bonn „Konrad Adenauer“ liegt rechtsrheinisch in Köln-Grengel rund 15 km vom Kölner und 16 km vom Bonner Stadtzentrum entfernt. Er ist im Frachtbereich die Nummer 3, bei den Passagierzahlen knapp vor Stuttgart die Nummer 6 in Deutschland. Im Ersten Weltkrieg war das Gelände ein Truppenübungsplatz. 1938 baute die deutsche Luftwaffe einen Fliegerhorst. Es entstanden die erste Startbahn, ein Tower und mehrere Hallen. Nach dem Zweiten Weltkrieg legte die British Air Force eine längere Landebahn an. 1957 wurde der Flughafen in zivile Verwaltung übergeben.

Heute gehört die Flughafen Köln/Bonn GmbH als Betreibergesellschaft zu 31,12% der Stadt Köln, zu 30,94% der BRD, zu 30,94 NRW, der Stadt Bonn zu 6,06%, dem Rhein-Sieg-Kreis zu 0,59% und dem Rheinisch-Bergischen Kreis zu 0,35%. Der Airport ist Drehkreuz für die Frachtfluggesellschaften UPS Airlines und FedEx und wichtige Basis der Billigfluggesellschaft Germanwings.

Anders als viele andere Flughäfen, die mit räumlichen Engpässen leben müssen, hat der Köln Bonn Airport noch große Reserven. Als Ausgleich und Ersatz für Ausbaumaßnahmen (der Flughafen liegt im Zentrum der heute unter Naturschutz stehenden Wahner Heide) werden Pflege- und Entwicklungsprojekte finanziert.

Wegen der hier stationierten Einrichtungen der Luftwaffe und als langjähriger Regierungsflughafen ist der Köln Bonn Airport einer der wenigen deutschen Flughäfen ohne Nachtflugverbot. Gerade Frachtflieger sind zu später Stunde unterwegs, ein paar mehr noch, seit in Frankfurt das Nachtflugverbot verhängt wurde. Letzteres macht den Lärmgegnern Mut: Siegburg und andere Städte rund um Köln-Bonn klagen jetzt ebenfalls gegen die Nachtflugerlaubnis. Auch das Land NRW möchte wenigstens die nächtlichen Passagierflüge verbieten, liegt hierüber aber mit dem Bundesverkehrsministerium im Clinch.

Fluggäste haben derweil die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß ihres Fluges anteilig mit einer Spende für Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Ein spezieller Rechner unter cgn.myclimate.org macht’s möglich. Der Köln-Bonner Flughafen animiert auf seiner schön gestalteten Webseite auch dazu, mit dem Rad über die Waldstraße anzufahren. Kostenlose Fahrradparkplätze sind vorhanden.

Seit Neuestem können Fluggäste und Besucher rund um die Uhr kostenlos im Internet surfen. Das Angebot ist einfach zugänglich und gilt sowohl für den öffentlichen Bereich als auch für die Gates und Wartebereiche nach der Sicherheitskontrolle.

 

Fluggäste 2011

9.625.483

Tägliche Starts und Landungen

359

Nonstop-Destinationen

127

Parkplätze

12.600

 

 

Airport Weeze

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Der Flughafen Weeze nahm 2003 seinen Linienflugbetrieb auf. Er ist damit einer der jüngsten Europas und zugleich der einzige privat betriebene Verkehrsflughafen NRWs. Die Airport Niederrhein Holding GmbH hält 99,9261% der Anteile, der Kreis Kleve 0,0459% und die Gemeinde Weeze 0,0279%. Das großflächige, von Pinienwäldern, Wachtürmen und alten Kasernen geprägte Areal beheimatete von 1954 bis 1999 die Royal Air Force. Auf der Durchfahrt zum Terminal bekommt man zwei museumsreife Raketen vom Typ „Bloodhound“ zu Gesicht.

Der an der niederländischen Grenze gelegene Flughafen ist über die B67 zu erreichen und befindet sich 70 km nördlich von Düsseldorf. Im Gegensatz zu anderen Flughäfen gibt es erst auf fortgeschrittener Strecke Wegweiser. Von einer Fahrt mit Bus und Bahn kann man abraten, da der Preis für Hin- und Rückfahrt je nach Startort mehr als drei Tage Parken kostet und die Strecke überdies staufrei ist.

Weeze ist bekannt für seine besonders günstigen Flüge. Das Service-Angebot des Airports konzentriert sich auf An- und Abflug, Parken, Biergarten und Restaurant unmittelbar am übersichtlichen Terminal. Einkaufsmöglichkeiten gibt es nur im Duty Free-Shop im Sicherheitsbereich. Hauptkunde des auf Low-Cost-Flüge setzenden Unternehmens ist Ryanair, die den Flughafen mit sieben stationierten Jets zur dritten deutschen Basis ausgebaut hat. Neues Ziel ab März: Girona (bei Barcelona). Allerdings hat Ryanair nach Einführung der Luftverkehrsabgabe 25 ct pro Flugkarte aufgeschlagen.

Mit einem Passagierrückgang von –16,4% weist der bis dato drittgrößte Flughafen des Landes NRW erstmals seit 2006 einen Verkehrsrückgang aus. Die ökologische Abgabe belastet die günstigen Ticketpreise dergestalt, dass viele Niederländer wieder von heimischen Airports aus flogen. Hier hatte die Regierung eine ähnliche Flugsteuer 2009 wieder abgeschafft.

Zu aller Malaise droht dem Flughafen neues Ungemach: Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Weeze zu Unrecht öffentliche Zuschüsse erhalten hat. Den Hintergrund bilden Darlehen des Kreises Kleve und Preisnachlässe an Ryanair. Nach Ansicht der Kommission bestehen Zweifel daran, dass der Airport unter Marktbedingungen betriebsfähig wäre.

Im nordöstlichen Teil des insgesamt über 6 Mio. qm umfassenden Geländes ging im Januar NRWs größtes Solarkraftwerk ans Netz. Die Photovoltaikanlage entstand auf einer Fläche, groß wie 42 Fußballfelder. Sie versorgt den Flughafenbetrieb mit Strom. Der Rest wird ins öffentliche Netz gespeist.

 

Fluggäste 2011

2.421.720

Tägliche Starts und Landungen

65

Nonstop-Destinationen

47

Parkplätze

7.000

 

 

Dortmund Airport

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Dortmunds erster Flughafen wurde 1926 im Stadtteil Brackel eröffnet. Schon 1928 verzeichnete er über 8.000 Starts und Landungen und war damit neben Köln wichtigster Verkehrslandeplatz im Westen Deutschlands. Im Zweiten Weltkrieg gänzlich zerstört, stellte er sich dann als zu klein für moderne Flugzeuge heraus. 1969 votierte der Rat der Stadt Dortmund für den Flughafenbau in Dortmund-Wickede an der Grenze zu Holzwickede und Unna.

Bis heute fanden kontinuierlich Erweiterungen statt: Terminals und Hallen wurden gebaut, die Start- und Landebahn verlängert. Inzwischen hat sich der Regionalflughafen Dortmund-Wickede zum viertgrößten Airport in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Über lange Jahre hinweg zählte der Flughafen Münster-Osnabrück die meisten Passagiere in Westfalen. 2005 wurde er in dieser Position von Dortmund abgelöst.

Nachdem Eurowings den Standort 2010 aufgab, konzentrierten sich die Betreiber (74% Dortmunder Stadtwerke, 26% Stadt Dortmund) auf Low-Cost-Airlines und bewegten z.B. Easyjet oder Wizzair mit günstigen Landegebühren zur Streckenaufnahme. Die vielen Ziele in Mittel- und Osteuropa haben 2011 zu einem weiteren Anstieg der Fluggastzahlen geführt. Der Airport geht davon aus, dass das Wachstum ohne Luftverkehrsabgabe noch höher ausgefallen wäre. 2012 lassen die neuen Ziele Lemberg und Budapest zusätzliche Fluggäste erwarten. Positiv werden sich wohl auch die Sommerolympiade in London und die Fußball-EM in Polen und der Ukraine auswirken. Fans können die britische Hauptstadt und fünf EM-Spielstätten ab Dortmund nonstop anfliegen. Nur die Direkt-Verbindungen nach Fuerteventura, Teneriffa, Usedom und Nürnberg werden wegfallen, da Air Berlin Anfang November ihre Basis in Dortmund schließt.

Laut eigener Aussage steht der Flughafen in der schwierigen Situation, am schnellsten zu wachsen, aber über die kürzeste Start- und Landebahn sowie über die größten Einschränkungen bei den Betriebszeiten zu verfügen. Eine Ausweitung ist darum geplant, aber umstritten. Unter http://www.dialog-dort?mund-airport.de kann die Planung verfolgt und in einem Meinungsforum bewertet werden. Kritisiert werden Quersubventionierung durch die DEW21 wie auch die Lärmbelastung für Anwohner. Der Flughafen investiert laut Webseite deutlich mehr in den Schallschutz, als es die gesetzlichen Bestimmungen verlangen. Zugleich belohnt das Unternehmen mit einer gestaffelten Gebührenordnung Airlines, welche leise Maschinen einsetzen.

 

Fluggäste 2011

1.822.117

Tägliche Starts und Landungen

45

Nonstop-Destinationen

22

Parkplätze

4.040

 

 

Münster Osnabrück International

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Der Flughafen Münster-Osnabrück ist der nördlichste Flughafen in Nordrhein-Westfalen. Er liegt 20 km von Münster bzw. 30 km von Osnabrück entfernt auf dem Gebiet der Stadt Greven an der A1und wurde 1972 auf einem ehemaligen Segelfluggelände eröffnet. Die Betreiber setzen sich aus 15 Gesellschaftern, mehrheitlich den Stadtwerken Münster (35%), dem Kreis Steinfurt (30%) und der Stadt Osnabrück (17%) zusammen.

Die erste Verbindung des Airports führte dreimal täglich mit der Cimber Air nach Frankfurt. 1973 nahmen TUI und Neckermann als erste Reiseveranstalter Charterflüge nach Palma de Mallorca auf. Mittlerweile stellt Air Berlin 50% der Reiseangebote und hat fünf Maschinen fest am Flughafen stationiert. 2011 sorgte jedoch das Sparprogramm der Fluggesellschaft für die Einstellung der Verbindungen nach London, Wien und Sylt.

Die Air-France-Tochter „Regional“ hatte sich 2009 vom Flughafen verabschiedet. Grund: zu wenig Geschäftskunden. Die Verbindung nach Paris war für den Flughafen auch deshalb sehr wichtig gewesen, weil das Drehkreuz als Ersatz für die vorher eingestellte Verbindung zum Drehkreuz Amsterdam Schiphol galt. Ende Januar dieses Jahres wurde der Flugbetrieb von Cirrus Airlines aufgrund der Insolvenz der Airline eingestellt, so dass man jetzt nur noch über die Drehkreuze Frankfurt und München nach Stuttgart gelangt.

Die Gesellschafter erwarten ein schwieriges Jahr 2012, doch auf Low-Cost-Anbieter umzuschwenken, ist im Gegensatz zu den Flughäfen Köln/Bonn und Dortmund, die sich darauf konzentrieren, nicht erwünscht, da bilanziell defizitär, so eine aktuelle Presseverlautbarung. Aufgrund der starken Überschneidung beider Einzugsgebiete konkurriert Münster/Osnabrück insbesondere mit dem Flughafen Dortmund. Die beiden Flughäfen liegen nur ca. 80 km voneinander entfernt.

Seit 1994 streben die Flughafenbetreiber des FMO eine Verlängerung der Start- und Landebahn an, um Interkontinentalflüge anbieten zu können. Massive Widerstände aus den Reihen des Naturschutzes haben diese Pläne immer wieder vereitelt. Auf dem Spiel steht das Naturschutzgebiet Hüttruper Heide und der geschützte Eltingmühlenbach, in welchem zahlreiche, teilweise gefährdete Tier- und Pflanzenarten heimisch sind, so z.B. der Eisvogel. Im Dezember konnten sich beide Parteien auf einen verkürzten Ausbau auf nur 3.000 Meter einigen. Ursprünglich war eine 3.600 Meter lange Piste geplant.

 

Fluggäste 2011

1.329.092

Tägliche Starts und Landungen

50

Nonstop-Destinationen

15

Parkplätze

7.000

 

 

Paderborn-Lippstadt Airport

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Schon 1966 gab es erste Überlegungen, im Südosten Westfalens einen Flughafen zu errichten. Er sollte dem gewerblichen, aber auch dem touristischen Luftverkehr dienen. Im Oktober 1969 unterschrieben Vertreter der Kreise Brilon, Büren, Höxter, Lippstadt, Paderborn und Warburg den Gründungsvertrag der „Regionalflughafen Südost-Westfalen GmbH“. Bis heute kamen weitere Gesellschafter hinzu. Paderborn ist mit über 56% Hauptgesellschafter geblieben.

Die ersten touristischen Charterflüge starteten 1988 Richtung Mallorca und Gran Canaria. Im gleichen Jahr wurde die Bahn auf 2.180 Meter verlängert und 1994 auf 45 Meter verbreitert. Es folgten die Terminals A und B, die Flugsicherungskanzel, ein neuer Ankunftsterminal, zwei große Wartungshallen und das Airport-Forum. 2006 entstand gleich gegenüber das „Airport Hotel Paderborn“.

Der Aufwärtstrend am kleinsten Verkehrsflughafen Westfalens war bis Mai 2011 ungebrochen. Dann wurde die positive Passagier-Entwicklung von den Unruhen in der arabischen Welt, Streiks in Griechenland und durch die Kapazitätsanpassungen von Air Berlin gebremst: Die Fluggesellschaft strich die Destinationen London-Stansted und Manchester.

Airport-Geschäftsführer Elmar Kleinert findet dennoch, man sei „im Vergleich zu anderen Regionalflughäfen noch einmal glimpflich davon gekommen“. Zwar wurden 2011 5,3% weniger Passagiere als im Vorjahr gezählt, dafür stieg die Zahl der Flugbewegungen um 9,4%. Im Bereich Non-Aviation brachten die Verschönerung der Wartebereiche, ein neues Gastrokonzept und vergrößerte Verkaufsflächen Einnahmeverbesserungen von fast 1 Million Euro.

Im Übergang von den Sicherheitskontrollen zum Wartebereich ist die neue Verkaufsfläche nun mehr als verdreifacht und lädt Passagiere zum Einkaufsbummel im schicken Ambiente. Ein paar Gehminuten vom Terminal entfernt bietet der Quax-Hangar auf großer Dachterrasse gastronomische Specials, Happy Hours und Panoramasicht auf das Fluggeschehen. Nicht zuletzt im Hinblick auf die neue Konkurrenz in Kassel-Calden (2013 wird dort ein Flughafen eröffnet), werden bis 2016 rund 18,5 Millionen Euro investiert, u.a. um die Start- und Landebahn zu sanieren und Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern.

Der Sommerflugplan punktet mit noch mehr Flügen ins Trendziel Türkei: 19 pro Woche. Obwohl kein Nachtflugverbot vorliegt, verzichtet die Flughafengesellschaft auf Starts und Landungen in der Zeit von 0 bis 5 Uhr. Nur in Ausnahmefällen wird hiervon abgewichen.

 

Fluggäste 2011

975.712

Tägliche Starts und Landungen

116

Nonstop-Destinationen

16

Parkplätze

5.000

 

 

Autor: Isabelle Reiff